
Manchmal liegen die spannendsten Orte direkt vor der eigenen Haustür. Ich wohne in Mittenwald – und trotzdem war ich die Leutascher Geisterklamm bis dahin noch nie gegangen. Irgendwie schiebt man solche Ausflüge oft vor sich her, gerade weil sie so nah sind.
Als mein bester Freund zu Besuch war, passte es endlich. Meine Freundin kam auch mit, das Wetter war gut, und unser Plan klang erstmal ziemlich harmlos: Komm, wir gehen einfach mal kurz zur Klamm.
Ja. Denkste.
Von Mittenwald zur Leutascher Geisterklamm
Wir sind direkt von Mittenwald aus los. Die Leutascher Geisterklamm liegt zwischen Mittenwald in Bayern und Leutasch in Tirol – also genau dort, wo Bayern langsam nach Tirol übergeht und die Berge sowieso machen, was sie wollen.
Für uns klang die Tour zunächst nach einer lockeren Runde: ein bisschen Klamm, ein bisschen Wald, ein paar schöne Ausblicke und danach gemütlich essen. Genau solche spontanen Ausflüge mögen wir am liebsten.
Komoot-Route zur Leutascher Geisterklamm ab Mittenwald ansehen
Wer nicht direkt aus Mittenwald startet, findet Parkmöglichkeiten am Mittenwalder Südausgang oder auf der Tiroler Seite bei Leutasch/Schanz. Der Klammgeistweg und der Koboldpfad sind kostenlos. Der kurze Wasserfallsteig ist kostenpflichtig und führt unten in die Schlucht zum Wasserfall.
Erst Wasserfall-Stimmung, dann direkt Richtung Klamm
Am Anfang kommt man am Eingang zum Wasserfallsteig vorbei. Schon dort wirkt alles ziemlich beeindruckend: Felsen, Wasser, Schluchtgefühl. Ein bisschen so, als könnte gleich eine Szene aus Herr der Ringe anfangen.

Den Wasserfallsteig selbst haben wir diesmal aber ausgelassen. Stattdessen sind wir direkt rechts weiter Richtung Klamm.
Und dann beginnt auch schon das, was die Leutascher Geisterklamm besonders macht: Überall stehen kleine Schilder und Stationen rund um Kobolde, Geister und die Entstehung der Klamm. Das ist nicht nur für Kinder nett gemacht. Auch als Erwachsener liest man sich da erstaunlich gerne durch. Man läuft eben nicht einfach nur einen Weg ab, sondern bekommt unterwegs immer wieder kleine Geschichten mit.
Der Einstieg war steiler als gedacht
Was wir etwas unterschätzt hatten: Der Weg hoch zum eigentlichen Klamm-Einstieg zieht mehr an, als man am Anfang denkt.

Nicht schlimm, nicht extrem – aber eben auch nicht ganz dieses „wir gehen mal kurz gemütlich los“, das wir uns vorher eingeredet hatten. Gerade wenn man von Mittenwald aus startet und die Runde komplett gehen möchte, merkt man schnell: Das ist kein reiner Spaziergang.
Für solche Wege sind gute Trekkingschuhe wirklich sinnvoll. Nicht, weil die Tour wahnsinnig schwer wäre, sondern weil es Anstiege, Waldwege, Treppen und später auch Gitterroste gibt.

Auch eine Trinkflasche sollte dabei sein, besonders an warmen Tagen. In der Klamm selbst ist es angenehm kühl, aber der Weg dorthin und zurück kann trotzdem warm werden.

Gitterroste, Treppen und der Blick in die Tiefe
Nach dem Anstieg kamen die ersten Treppen und Gitterroste. Und genau da war mir sofort klar: Mit Hund würde ich diese Runde sehr kritisch sehen.

Hunde sind zwar grundsätzlich erlaubt, aber die durchsichtigen Gitterroste sind für viele Hunde richtig unangenehm. Manche laufen darüber, viele aber eben nicht. Und Stress oder Verletzungsgefahr braucht unterwegs niemand.
Hundeschuhe / Pfotenschutz ansehen

Der Weg führt über eine Stahlkonstruktion hoch über der Leutascher Ache. Der Klammgeistweg verläuft über einen langen Gitterroststeg direkt an den Felswänden entlang. Unter einem rauscht das Wasser, neben einem stehen die Felsen, und zwischendurch merkt man schon: Hier sollte man halbwegs schwindelfrei sein.

Wer mit Höhe gar nicht gut klarkommt, wird sich auf den Stegen wahrscheinlich nicht komplett entspannen. Für alle anderen ist genau das aber der Reiz dieser Klamm.
Fotospots mit Karwendelblick
Nach den ersten Metern auf den Stegen kamen dann die Momente, für die sich der Weg richtig lohnt.
Immer wieder öffnen sich neue Blicke in die Klamm, auf die Felswände, hinunter zur rauschenden Leutascher Ache und zwischendurch auch Richtung Karwendel. Genau solche Stellen sind perfekt für Fotos oder kurze Videos.

Ein Handystativ ist hier ziemlich praktisch, wenn man nicht nur Landschaftsbilder machen möchte, sondern auch mal ein gemeinsames Foto oder eine ruhige Videoaufnahme.

Und weil Navigation, Fotos und Videos den Handy-Akku schneller leeren als geplant, war auch eine Powerbank wieder keine schlechte Idee.

Was Wasser hier über lange Zeit geschaffen hat
Was mich an solchen Klammen immer wieder beeindruckt: Man sieht direkt, was Wasser über viele Jahre schaffen kann.
Die Leutascher Ache rauscht unter einem durch die Schlucht, arbeitet sich durch den Fels und schneidet die Klamm Stück für Stück tiefer. Man steht oben auf dieser Stahlkonstruktion, schaut hinunter und merkt wieder, wie stark Natur eigentlich ist.

Nach jeder Biegung gibt es einen neuen Blick. Mal sieht man tief ins Wasser, mal auf die gegenüberliegenden Felsen, mal durch die Klamm in Richtung Berge. Es wird nicht langweilig, weil sich die Perspektive ständig verändert.
Wir waren zum Glück erst spät am Nachmittag unterwegs. Dadurch war die Klamm fast leer. Kein Gedränge, kein ständiges Ausweichen, einfach gehen, schauen und stehen bleiben, wenn es gerade schön ist. Das hat die Runde deutlich entspannter gemacht.
Obwohl es an dem Tag warm war, merkt man davon in der Klamm selbst kaum etwas. Zwischen den Felsen weht immer wieder ein kühler Wind. Ein Sonnenhut war für den Weg davor und danach trotzdem sinnvoll, vor allem auf den offeneren Abschnitten.

Am Ende: Klammstüberl – leider schon zu
Am Ende der Klamm kommt man beim Klammstüberl raus. Eigentlich perfekt für eine kleine Einkehr nach der Runde.
Bei uns war es dafür allerdings schon zu spät. Feierabend. Schade, aber auch nicht schlimm. Wir hatten ohnehin noch den Rückweg durch den Bergwald vor uns – und weil wir Rundwege mögen, wollten wir natürlich nicht einfach denselben Weg zurückgehen.
Zurück durch den Bergwald
Der Rückweg durch den Wald hatte dann nochmal eine ganz andere Stimmung.

Nach der luftigen Stahlkonstruktion in der Klamm läuft man plötzlich wieder durch ruhigen Bergwald. Auch hier tauchen immer wieder die Schilder rund um Kobolde und Geister auf. Für Kinder ist das natürlich spannend, aber ehrlich gesagt liest man sowas auch als Erwachsener ganz gern.
Unterwegs kommt man an Woodhenge vorbei und an Hängematten aus Holz. Das wirkt ein bisschen verspielt, passt aber genau deshalb gut zur Geisterklamm. Der ganze Weg hat etwas Märchenhaftes, ohne dabei kitschig zu werden.

Gegen Ende wartet noch das Naturdenkmal Gletscherschliff. Solche Stellen mag ich besonders, weil sie zeigen, dass hier nicht nur ein schöner Wanderweg angelegt wurde, sondern auch echte Landschaftsgeschichte sichtbar ist.
Und dann kam noch eine Wiese voller Ziegen. Damit war die Runde endgültig sympathisch.
Zurück in Mittenwald: Essen im Postkeller
Wieder zurück an der Isar und in Mittenwald war klar: Jetzt brauchen wir etwas Richtiges zu essen.
Wir sind in den Postkeller, die Brauereigaststätte in Mittenwald. Wir hatten uns schon auf Cordon bleu, Pommes und Bier gefreut. Und was soll ich sagen: Es war hervorragend.

Nach so einer Runde schmeckt Essen sowieso besser. Aber hier hat wirklich alles gepasst. Genau dieser Abschluss macht solche Ausflüge für mich rund: erst Natur, ein bisschen Anstrengung, viel schauen – und danach gutes Essen.
Praktisch dabei auf unserer Geisterklamm-Runde
Für die Runde ab Mittenwald waren diese Dinge besonders hilfreich:
Wer länger in der Region bleiben möchte, kann Mittenwald perfekt als Ausgangspunkt nutzen. Von hier kommt man zur Leutascher Geisterklamm, zur Isar, ins Karwendel und zu vielen weiteren Touren in der Umgebung.
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Unser Fazit zur Leutascher Geisterklamm ab Mittenwald
Die Leutascher Geisterklamm ab Mittenwald war deutlich spannender, als wir vorher gedacht hatten.
Es ist keine extreme Tour, aber auch nicht nur ein kleiner Spaziergang. Der Einstieg ist steiler als erwartet, die Stege sind hoch, die Gitterroste können ungewohnt sein, und mit Hund würde ich die Runde nur sehr vorsichtig planen.
Für Kinder ist die Klamm dagegen richtig gut gemacht: Kobolde, Geister, Schilder, Treppen, Brücken, Wasser und Wald – da gibt es unterwegs genug zu entdecken. Kinderwagengeeignet ist die Runde aber nicht, dafür gibt es zu viele Treppen und schmale Wege.


Für uns war es am Ende eine entspannte, aber trotzdem ansprechende Runde. Genau die Art von Ausflug, die man gern unterschätzt, weil sie so nah liegt – und dann merkt man unterwegs: Das hätten wir eigentlich schon viel früher machen sollen.
Kurz gesagt: Die Leutascher Geisterklamm ist ab Mittenwald eine starke Runde für alle, die Klamm, Wald, Wasser, Bergblick und ein bisschen Koboldgeschichte mögen.







